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Neurodiversität steht für einen Paradigmenwechsel: weg von einer ausschließlich defizitorientierten Betrachtung.

Neurodiversität bedeutet zunächst: Nicht jedes Gehirn arbeitet gleich.

Menschen unterscheiden sich darin, wie sie Informationen verarbeiten, lernen, Reize wahrnehmen, ihre Aufmerksamkeit steuern oder mit ihrer Umwelt interagieren. Der Begriff Neurodiversität beschreibt diese neurologische Vielfalt als Teil der menschlichen Verschiedenheit.

Im Zusammenhang mit Neurodiversität werden beispielsweise Autismus, ADHS oder Legasthenie genannt.

Statt ein Kind vor allem danach zu beurteilen, wo es von einem vermeintlichen Standard abweicht, rücken auch seine individuellen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Stärken in den Mittelpunkt.

Das bedeutet jedoch nicht, Schwierigkeiten oder einen möglichen Unterstützungsbedarf kleinzureden. Auch neurodivergente Kinder können im Familienalltag, in der Schule oder im sozialen Umfeld erhebliche Herausforderungen erleben und Unterstützung benötigen.

Der Blick verändert sich vielmehr von:

„Was stimmt mit meinem Kind nicht?“

zu:

„Wie nimmt mein Kind die Welt wahr, was fällt ihm schwer, welche Stärken bringt es mit und welche Unterstützung braucht es?“

 

Trauma behandeln: Lebensgeschichte wieder als sinnvoll, übereinstimmend und als Ganzes erlebt wird.

Das Wichtigste in Kürze:

Neurodiversität bedeutet Vielfalt

Nicht jedes Gehirn arbeitet und verarbeitet Informationen auf die gleiche Weise. Neurodiversität beschreibt diese Unterschiede als Teil der menschlichen Vielfalt

Nicht nur sehen, was schwerfällt

Ein Kind ist mehr als seine Schwierigkeiten. Genauso wichtig ist der Blick auf das, was das Kind gut kann, was ihm Freude macht und wo seine besonderen Stärken liegen.

Unterstützung bleibt wichtig

Stärkenorientierung bedeutet nicht, Belastungen zu übersehen. Entscheidend ist, herauszufinden, was das einzelne Kind wirklich braucht.

Entwicklung braucht vielfältige Erfahrungen

Manche Kinder und Familien benötigen zusätzliche Unterstützung. Entscheidend ist nicht, ein Kind an einen vermeintlichen Standard anzupassen, sondern herauszufinden, was diesem Kind und dieser Familie wirklich hilft.
Psychosomatische Beschwerden sind unser Wegweiser in die Gesundheit

Manchmal beginnt der neue Weg damit, dass man sich Hilfe holt.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Neurodiversität?
Weg von der reinen Defizitorientierung

Fähigkeiten für das Leben entwickeln

Was bedeutet Neurodiversität für Eltern?
Wann kann Beratung hilfreich sein?

Was bedeutet Neurodiversität?

Nicht jedes Gehirn arbeitet und verarbeitet Informationen auf die gleiche Weise.

Neurodivergente Menschen können Reize anders wahrnehmen und verarbeiten. Manche nehmen Geräusche, Licht, Berührungen oder andere Eindrücke besonders intensiv wahr und können Wichtiges schwerer von Unwichtigem trennen. Andere reagieren auf bestimmte Reize weniger stark oder suchen gezielt zusätzliche Reize. Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

 

Kinder unterscheiden sich darin, wie sie denken, lernen, ihre Aufmerksamkeit steuern, Reize verarbeiten und ihre Umwelt wahrnehmen. Diese neurologische Vielfalt wird mit dem Begriff Neurodiversität beschrieben.

Im Zusammenhang mit Neurodiversität wird häufig von neurotypisch und neurodivergent gesprochen:

Neurotypisch beschreibt eine Entwicklung und Informationsverarbeitung, die weitgehend dem entspricht, was als typisch gilt.
Neurodivergent wird verwendet, wenn Wahrnehmung, Informationsverarbeitung oder neurologische Entwicklung davon abweichen. Dazu werden beispielsweise Autismus, ADHS oder Legasthenie gezählt.

Neurodiversität heißt damit auch: ein neuer Blick auf Unterschiede.

Weg von der reinen Defizitorientierung – nicht nur sehen, was schwer fällt

Weg von der Pathologisierung!

Abweichungen vom sogenannten Standard sollten nicht ausschließlich danach beurteilt werden, was ein Kind nicht kann oder wo Schwierigkeiten bestehen.

Ganzheitlich wird der Fokus auch auf die Stärken des Kindes gerichtet. Die besonderen Stärken und Fähigkeiten werden in den Vordergrund gestellt.

Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten oder einen Unterstützungsbedarf kleinzureden. Ein Kind kann Unterstützung benötigen und gleichzeitig besondere Fähigkeiten und Stärken besitzen. Genau dieser Perspektivwechsel gehört zum Grundgedanken der Neurodiversität.

Es geht also nicht nur um die Frage:

„Was fällt meinem Kind schwer?“

Sondern genauso um:

„Was kann mein Kind besonders gut und was braucht es, damit es sich gut entwickeln kann?“

Jedes Kind bringt Stärken und Herausforderungen mit

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Was im Familienalltag zunächst als „auffällig“, „schwierig“ oder einfach „anders“ erlebt wird, sollte deshalb möglichst im Zusammenhang betrachtet werden.

Eltern können sich fragen:

Was überfordert mein Kind?
In welchen Situationen entstehen Schwierigkeiten?
Welche Umgebung tut meinem Kind gut?
Welche besonderen Interessen hat es?
Was gelingt ihm besonders gut?
Wo braucht es Unterstützung?

Das Ziel ist nicht, Schwierigkeiten schönzureden. Das Ziel ist, das ganze Kind zu sehen.

Gerade dieser Blick kann Eltern helfen, nicht ausschließlich das problematische Verhalten wahrzunehmen, sondern besser zu verstehen, was hinter diesem Verhalten stehen könnte und was ihr Kind braucht.

04 Entwicklung braucht vielfältige Erfahrungen

Besonders in der frühen Kindheit brauchen Kinder viele unterschiedliche Erfahrungen mit ihrer Umwelt.

Für Reifung und Wachstum brauchen die Kleinsten vielfältige Sinneserfahrungen: sehen, hören, schmecken, riechen, tasten und fühlen, Bewegung und vieles mehr.

Kinder brauchen Gelegenheit, sich in der realen Welt auszuprobieren, zu spielen, zu entdecken, sich zu bewegen, kreativ zu sein und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Gerade in den ersten drei Lebensjahren finden wichtige Prozesse der neuronalen und sensomotorischen Entwicklung statt. Die aktuelle medizinische Leitlinie zum Bildschirmmediengebrauch betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung vielfältiger realer Erfahrungen mit verschiedenen Sinnen.

Digitale Angebote können Teil des Familienalltags sein. Sie können diese unmittelbaren Erfahrungen jedoch nicht vollständig ersetzen.

 

Fähigkeiten für das Leben entwickeln

Ich möchte in der pädagogischen Elternberatung die Eltern ermutigen, einen Schwerpunkt in der Entwicklung ihres Kindes auf den Erwerb von Fähigkeiten zu legen, die es im realen Leben braucht.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Fahrrad oder Skateboard fahren
  • Schwimmen
  • Freundschaften pflegen
  • Sport treiben
  • sinnvoll mit Werkzeugen umgehen
  • ein Musikinstrument lernen
  • Schreiben, Lesen und Rechnen
  • respektvoll mit Tieren und der Umwelt umgehen

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Fähigkeiten abzuhaken.

Kinder brauchen vielmehr Zeit und Möglichkeiten, eigene Interessen zu entdecken, Fantasie und Kreativität zu entwickeln, Dinge selbst auszuprobieren und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen.

Gerade in einer zunehmend digitalen Lebenswelt ist es wichtig, dass diese unmittelbaren Erfahrungen genügend Raum behalten. Die medizinische Leitlinie weist ebenfalls darauf hin, dass Bildschirmzeit Zeit beansprucht, die für analoge Aktivitäten wie Bewegung und soziales Miteinander zur Verfügung stehen könnte.

 

Warum Verbote allein häufig nicht weiterhelfen

Der einfachste Gedanke liegt nahe:

Handy weg. Computer aus. Problem gelöst.

So einfach ist es im Familienalltag häufig nicht.

Auch die fachlichen Empfehlungen beschränken sich ausdrücklich nicht auf Bildschirmzeiten. Eltern sollen sich für die digitalen Aktivitäten ihrer Kinder interessieren, diese kritisch begleiten, die Nutzung gemeinsam reflektieren und sich ihrer eigenen Vorbildfunktion bewusst sein. [register.awmf.org]

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn Eltern sollten zunächst verstehen:

Welche Bedeutung hat die digitale Welt für mein Kind?

Geht es um:

  • Kontakt und Zugehörigkeit?
  • Wettbewerb und Erfolg?
  • Unterhaltung?
  • Langeweile?
  • Entspannung?
  • Rückzug?
  • Gewohnheit?

Erst wenn die Funktion der Nutzung klarer wird, lassen sich passende Veränderungen entwickeln.

Was bedeutet Neurodiversität für Eltern?

Für Eltern bedeutet dieser Perspektivwechsel vor allem: genauer hinschauen, statt vorschnell zu bewerten.

Nicht jedes Kind braucht dieselben Regeln, dieselbe Förderung oder dieselbe Unterstützung.

Hilfreich können Fragen sein wie:

Welche Reize sind meinem Kind vielleicht zu viel?
Wo braucht es mehr Struktur?
Wo braucht es mehr Freiraum?
Was interessiert mein Kind besonders?
Welche Fähigkeiten können wir stärken?
Welche Situationen überfordern es immer wieder?
Was funktioniert in unserer Familie bereits gut?

Stärkenorientierung bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu übersehen. Sie bedeutet, ein Kind nicht auf seine Schwierigkeiten zu reduzieren.

Wie kann ich Ihnen helfen?

Nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf!

Sprechen Sie gerne außerhalb meiner Telefonzeiten jederzeit auf die Mailbox. Ich melde mich schnellstmöglich.

Wann kann Beratung hilfreich sein?

Manchmal spüren Eltern sehr genau, dass ihr Kind die Welt anders wahrnimmt oder in bestimmten Situationen anders reagiert. Gleichzeitig ist nicht immer klar, warum das so ist und was das Kind tatsächlich braucht.

Eine Beratung kann helfen, wenn sich beispielsweise immer wieder Konflikte entwickeln, Eltern zunehmend unsicher werden oder besondere Bedürfnisse des Kindes den Familienalltag stark bestimmen.

Dabei geht es nicht darum, vorschnell ein Etikett zu vergeben.

Es geht darum,

  • das Kind besser zu verstehen,
  • seine Stärken wahrzunehmen,
  • Belastungen ernst zu nehmen
  • und herauszufinden, welche Unterstützung zu diesem Kind und dieser Familie passt.

Nicht jedes Kind entwickelt sich gleich. Entscheidend ist, dass es die Möglichkeit bekommt, seine eigenen Fähigkeiten zu entfalten und dort Unterstützung erhält, wo es sie braucht.

Das eigene Kind besser verstehen

Manchmal verändert sich schon viel, wenn sich der Blick verändert.

Nicht nur: „Warum funktioniert das bei meinem Kind nicht?“

Sondern: „Was braucht mein Kind, damit es seinen eigenen Weg gut gehen kann?“

Die Autorin dieses Beitrages

Traudl Vogel ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleitet Menschen seit über 30 Jahren in herausfordernden Lebenssituationen. Langjährige therapeutische Erfahrung verbindet sie mit kontinuierlicher Weiterbildung und einem individuellen, ganzheitlichen Blick auf den Menschen.

Sprechen Sie gerne außerhalb meiner Telefonzeiten jederzeit auf die Mailbox. Ich melde mich schnellstmöglich.

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